Zum Inhalt springen
Stadtführer & ReiseleiterRegensburg · Donau · Umland

Die Walhalla bei Donaustauf

Aktualisiert am · Lesezeit etwa 3 Minuten

Wer von Regensburg donauabwärts schaut, sieht sie schon von Weitem: einen weißen griechischen Tempel auf einem bewaldeten Hang. Die Walhalla ist eines der seltsamsten und zugleich eindrucksvollsten Bauwerke in Bayern, und sie erzählt viel über die Zeit, in der sie entstand.

Lage
Donaustauf, gut 10 km donauabwärts von Regensburg
Zeitbedarf
1,5 bis 2,5 Stunden mit Aufstieg
Anreise
Schiff ab Regensburg, Bus oder Auto
Kombination
Regensburger Altstadt am selben Tag
Die Walhalla auf dem Bräuberg über der Donau bei Donaustauf
Die Walhalla auf dem Bräuberg über der Donau bei Donaustauf. Foto: Avda, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons

Ein Tempel für die „teutsche Zunge“

Die Idee stammt von Ludwig I., der sie schon als Kronprinz in den Jahren der napoleonischen Besetzung entwickelte. Er wollte einen Ort schaffen, an dem bedeutende Menschen „teutscher Zunge“ geehrt werden, also aus dem deutschsprachigen Kulturraum im weiten Sinn. Dahinter stand die Suche nach einer gemeinsamen Identität in einer Zeit, in der es noch keinen deutschen Nationalstaat gab.

Gebaut hat sie Leo von Klenze, der Hofarchitekt des Königs. Der Grundstein wurde am 18. Oktober 1830 gelegt, eröffnet wurde die Halle am 18. Oktober 1842. Das Datum ist kein Zufall: Es ist der Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig von 1813. Als Vorbild diente der Parthenon auf der Akropolis in Athen, die Walhalla ist ein dorischer Ringhallentempel aus hellem Marmor.

Büsten und Gedenktafeln

Im Inneren reihen sich Marmorbüsten an den Wänden, darüber hängen Gedenktafeln für Personen, von denen kein Bildnis überliefert ist. Bei der Eröffnung waren es knapp hundert Büsten. Seitdem kommen in unregelmäßigen Abständen neue hinzu. Heute sind es 132 Büsten, darunter nur sieben Frauen, dazu rund 65 Tafeln.

Die Auswahl trifft seit Langem die bayerische Staatsregierung, Vorschläge kommen oft aus der Öffentlichkeit. Zu den jüngeren Aufnahmen gehören Edith Stein (2009), Heinrich Heine (2010), Käthe Kollwitz (2019) und Max Planck (2022). Gerade Heine ist ein schönes Beispiel dafür, wie sich der Blick auf Geschichte ändert: Ludwig I. hätte den spöttischen Dichter wohl kaum in seinem Tempel sehen wollen.

Der Weg hinauf

Die Walhalla liegt auf dem Bräuberg oberhalb von Donaustauf. Von der Schiffsanlegestelle und vom unteren Parkplatz führen Treppen und ein Fußweg nach oben. Für ältere Gäste ist der obere Parkplatz die bessere Wahl, von dort ist der Weg kurz und fast eben. Planen Sie die Treppen bei Gruppen ehrlich ein: Wer nicht gut zu Fuß ist, wartet sonst unten.

Oben lohnt der Rundgang außen um den Tempel. Der Blick reicht weit über das Donautal, bei klarem Wetter bis zu den Höhen des Bayerischen Waldes. Viele Besucher verbringen hier mehr Zeit als drinnen.

Mit dem Schiff von Regensburg

Die schönste Anreise ist die auf dem Wasser. In der Saison fahren Ausflugsschiffe von der Regensburger Altstadt zur Walhalla und zurück. Damit verbindet sich ein Stadtrundgang in Regensburg leicht mit dem Besuch: vormittags durch die Altstadt, mittags aufs Schiff, nachmittags hinauf zum Tempel. Fahrpläne und Saisonzeiten ändern sich, prüfen Sie sie vor der Planung beim Anbieter.

Mit Bus oder Auto ist Donaustauf in einer knappen Viertelstunde erreicht. Unten im Ort steht außerdem die Ruine der Burg Donaustauf, die sich für einen kurzen Abstecher eignet.

Ein Ort mit Widersprüchen

Man kann die Walhalla bewundern und sie gleichzeitig kritisch sehen. Der Bau feiert ein Geschichtsbild des 19. Jahrhunderts, in dem fast nur Männer, Feldherren und Fürsten vorkommen. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Ort politisch vereinnahmt. Eine Führung, die das offen anspricht, wird nicht kleiner, sondern spannender. Gerade Schulklassen und Studiengruppen schätzen es, wenn die Walhalla nicht nur als Postkartenmotiv vorkommt.

Wer nach dem Besuch noch Zeit hat, kann ihr Gegenstück ansehen: die Befreiungshalle bei Kelheim, ebenfalls ein Bau Ludwigs I. und ebenfalls an einem 18. Oktober eingeweiht. Zusammen mit einem Rundgang durch die Regensburger Altstadt ergibt das einen dichten Tag an der Donau.

Zum Weiterlesen und für aktuelle Zeiten: Bayerische Schlösserverwaltung: Walhalla.