Gästeführer und Reiseleiter werden
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Viele Menschen, die ihre Stadt lieben, überlegen irgendwann, selbst Führungen anzubieten. Andere reisen gern und möchten Gruppen begleiten. Beides ist möglich, auch ohne Studium. Dieser Beitrag erklärt die Unterschiede zwischen den Rollen, wie die Ausbildung aussieht und welche Fähigkeiten Sie brauchen.
- Rechtslage
- in Deutschland nicht reglementiert
- Norm
- DIN EN 15565 (seit 2008)
- Ausbildung
- meist über Tourist-Informationen und Verbände
- Selbstständig
- Gewerbeanmeldung nötig
Gästeführer, Stadtführer, Reiseleiter
Im Alltag werden die Begriffe oft durcheinander verwendet. In der Branche unterscheidet man so:
- Gästeführer (auch Stadtführer oder Fremdenführer) kennen einen bestimmten Ort oder eine Region sehr genau. Sie empfangen Gäste vor Ort und vermitteln Wissen über Geschichte, Kunst, Natur und Alltag.
- Reiseleiter begleiten eine Gruppe über die ganze Reise, oft über mehrere Tage und Orte. Sie organisieren, lösen Probleme, erzählen unterwegs und arbeiten mit örtlichen Gästeführern zusammen.
- Reisebegleiter kümmern sich vor allem um die Organisation, ohne den Anspruch, selbst Fachvorträge zu halten.
Wer Studienreisen leitet, braucht oft beides: Organisationstalent und fundiertes Wissen.
Rechtliche Lage in Deutschland
In Deutschland ist der Beruf des Gästeführers nicht gesetzlich geregelt. Es gibt kein einheitliches Berufsbild, und grundsätzlich darf jeder Führungen anbieten. Wer damit Geld verdient, muss allerdings ein Gewerbe anmelden oder als Freiberufler tätig sein und sich um Versicherung und Steuern kümmern. In anderen Ländern ist das anders: In Österreich, Italien, Frankreich, Spanien oder Griechenland dürfen nur staatlich geprüfte Gästeführer arbeiten. Das ist wichtig für Reiseleiter, die mit Gruppen ins Ausland fahren.
Die Ausbildung
Seit 2008 gibt es mit der europäischen Norm DIN EN 15565 einen Rahmen für die Ausbildung von Gästeführern. Sie legt fest, welche Inhalte ein Lehrgang haben sollte, schreibt aber nicht vor, dass Städte oder Staaten eine solche Ausbildung verlangen müssen. In der Praxis bilden die meisten Tourist-Informationen ihre Gästeführer selbst aus, oft in Kursen über mehrere Monate mit Abschlussprüfung. Wer bestanden hat, wird in die Liste der städtischen Gästeführer aufgenommen und bekommt Aufträge vermittelt.
Der Bundesverband der Gästeführer in Deutschland (BVGD) vertritt die Interessen des Berufsstands, bietet Fortbildungen an und vergibt ein eigenes Zertifikat. Für Reiseleiter gibt es Seminare bei Reiseveranstaltern, die ihre Leiter selbst schulen, und bei privaten Bildungsträgern.
Inhalte typischer Seminare
- Geschichte, Kunstgeschichte und Architektur der Region
- Rhetorik, Stimme und freies Sprechen
- Gruppenführung, Umgang mit schwierigen Teilnehmern
- Führungsdidaktik: Auswahl, Aufbau, Spannungsbogen
- Barrierefreie Führungen und Führungen für Kinder
- Erste Hilfe, Haftung, Versicherung und Preisgestaltung
Was den guten Gästeführer ausmacht
Wissen ist die Grundlage, aber nicht das Entscheidende. Gute Gästeführer wählen aus. Sie erzählen drei Geschichten statt dreißig Jahreszahlen, sie schauen in die Gruppe und merken, wenn die Aufmerksamkeit nachlässt. Sie kennen die Toiletten, die schattigen Plätze und die Abkürzungen. Und sie bleiben freundlich, wenn es regnet und die Gruppe zu spät kommt.
Wer ins Berufsfeld schnuppern will, kann bei einer Tourist-Information nach Hospitationen fragen. Rund um den 21. Februar, den internationalen Tag der Gästeführer, bieten viele Städte zudem besondere Führungen an, eine gute Gelegenheit, verschiedene Stile zu erleben. Wie Gästeführer ihre Arbeit berechnen, steht im Beitrag zu den Preisen, wie sie in einen Tagesablauf passen, im Beitrag zum Rahmenprogramm.
Zum Weiterlesen und für aktuelle Zeiten: Bundesverband der Gästeführer in Deutschland, Wikipedia: Gästeführer.